Risiko als Wahrscheinlichkeit eines negativen Gedankensso definierte ein Referent bei einer Informationsveranstaltung für Sicherheitsbeauftragte in der Industrie das postindustrielle Wahrnehmungsschema moderner Gesellschaften. Gerade, wenn wir über industrielle Produktion - ganz schlimm: Chemie; noch schlimmer: Atomkraftwerke - reden, geht es kaum noch darum, sich mit echten Gefahren auseinander zu setzen. Eher muss alles vermieden werden, was die Leute auf abwegige Gedanken über die Industrie und ihre Produkte bringen könnte. Der Nutzen eines Produktes ist, so dünkt es einem hin und wieder, sowieso nebensächlich. Beachtung findet nur das potentiell Negative, es zählen bloß Gefahr und Risiko! Der Risiko-Forscher Ulrich Beck hat dazu in seinem neuen Buch verkündet, dass es völlig gleichgültig sei, ob die Welt „objektiv sicherer ist als alle vorangegangenen". Was zähle, sei die „inszenierte Antizipation von ... Katastrophen". Man müsste mal der Frage nachgehen, wer solche Inszenierungen eigentlich in Auftrag gibt, aber wir schauen allesamt viel zu selten hinter die Kulissen der potemkinschen Risikogesellschaft. Stattdessen verpflichten wir uns zu vorauseilendem Gehorsam in Form des Vorsorgeprinzips. Dass die Risiken, die uns vermeintlich umzingelt und die Gesellschaft in Geiselhaft genommen haben, in Wahrheit nichts anderes sind als (um noch einmal Beck zu bemühen) „das Spiegelbild unserer selbst, unserer kulturellen Wahrnehmung" - das haben wir erfolgreich verdrängt. Wie ein Kind, das sich auf dem Rummelplatz fröhlich kreischend Angst einjagen lässt, dreht die Wohlstandsgesellschaft mit wohligem Schauer auf der Geisterbahn der inszenierten Risiko-Realität ihre Runden. Zukunftstaugliches Verhalten sähe anders aus. Optimismus ist gefragt und handfestes Anpacken von echten Problemen - die gibt es nämlich auch. Copyright Michael Bross Juni 2007 |
