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Gut dass wir mal drüber reden

Dieser harmlos wirkende Ausspruch kennzeichnet im normalen Leben das eher fortgeschrittene Zerfallsstadium einer Beziehungskiste. Wenn es um neue Technologien geht, kann man meist jedoch gar nicht genug darüber reden. Innovationen bestehen immer zur Hälfte aus einer neuen Idee. Und die andere Hälfte wird von der Überzeugungsarbeit beigesteuert, die dazu beiträgt, dieser Neuerung eine Chance zu geben. Die Durchsetzung von Innovationen ist damit (nicht nur, aber auch) eine Kommunikationsaufgabe.

Nehmen wir zum Beispiel die Nanotechnologie. Sie wird in Deutschland – so die beruhigende These einiger Kommunikationswissenschaftler – nicht so enden wie die Gentechnik. Gentechnik, insbesondere die grüne, habe von Anfang an mit einem besonderen Problem zu kämpfen gehabt. Wenn es um Lebensmittel geht, möchten die Verbraucher an eine heile Welt der natürlichen Produkte und Produktion glauben. Wer mal im Lee einer Hühnerfarm wohnte, weiß allerdings mehr ... Aber gegen idealistisch verklärte Leitbilder geht niemand an; im Gegenteil: die Politik sieht sich aufgerufen, politischen Druck zum Schutz dieser Wertvorstellungen auszuüben, um dem Wähler liebgewordene Vorurteile zu erhalten.

Mit Lebensmitteln hat die Nanotechnologie nicht allzu viel zu tun. Experten haben mal zusammengerechnet, dass es gerade mal 580 Produkte auf dem Markt gibt, in denen Nanoteilchen enthalten sind. Die öffentliche Meinung zu diesem Thema ist bislang auch keineswegs gefestigt; prinzipiell sind die Deutschen eher offen für den technischen Fortschritt, wenn er ihnen das Leben erleichtert. Faszinierende Alltagstechnologien werden freudig akzeptiert – siehe i-pod, Playstation oder Internet. Alltagsferne Neuerungen müssen dagegen eher auf Gleichgültigkeit oder sogar Ablehnung in der Bevölkerung gefasst sein. Für die Hersteller von Nano-Produkten muss es also darum gehen, über die Vorzüge dieser Technologie und ihre praktischen Auswirkungen aufzuklären. Und das mit dem „klären“ sollte jeder ernst nehmen und ehrlich meinen, um die Nebel zu klären, die manchmal unwissentlich, manchmal auch absichtlich den Blick in die Zukunft behindern.

Alle reden gegenwärtig über Nanotechnologie, es gibt viel Spekulationen. Was wir aber brauchen, ist Wissen! Der Verband der deutschen Lackindustrie geht deshalb mit gutem Beispiel voran und führt eine wissenschaftliche Untersuchung zum Thema Nanoteilchen und Lacke durch. Immer wieder wird nämlich die Frage gestellt, ob die winzigen Partikel aus einem „Nanolack“ wieder entweichen könnten. Zum Beispiel, wenn beim Renovieren der alte Lackfilm abgeschliffen wird. Und genau diese Frage soll in den nächsten Monaten geklärt werden. Und dann wird es gut sein, wenn wir wieder drüber reden.

Copyright Michael Bross November 2007