GerechtigkeitWas ist eigentlich gerecht? Ganz spontan bieten sich da zwei Optionen an: Entweder bekommen alle das gleiche oder jeder das, was ihm gebührt. Für beide Varianten lassen sich gute Gründe vorbringen. Deshalb verwundert es auch nicht, dass bislang nirgendwo eine eindeutige Entscheidung für die eine oder andere Sichtweise getroffen wurde. In der Gerichtsbarkeit tendiert man traditionell dazu, alle gleich zu behandeln. Egal ob der Generaldirektor oder der Pförtner einen Mord begeht - Rang, Ansehen und die individuelle Schicksalsgeschichte müssen hinten an stehen. Bei Einkommen und Vermögen lautet die Gerechtigkeitsfrage in Deutschland dagegen meist: „Warum bekommt der andere so viel und ich so wenig?" Auf dieser neidischen Betrachtungsweise fußt zum Beispiel unser Steuersystem, das dem Bürger vorgaukelt, diese subjektive Benachteiligung - zumindest in den Augen derjenigen, die sich als benachteiligt fühlen - zu mildern. Andern etwas wegnehmen zu lassen, gilt als gerecht. |
